13.11.2017

Die Netzwerkerin

Die Menschen ticken überall anders, hat Britta Pinter festgestellt. Als Regionalmanagerin ergründet sie seit zehn Jahren die feinen Unterschiede zwischen den Niederbayern. Seit Mitte September arbeitet die 43-Jährige beim Wirtschaftsforum Passau. Im Passauer Gespräch erzählt sie, wie sie Stadt und Landkreis voranbringen will.

Regionale Betriebe mit Schülern und ihren Eltern zusammenzubringen ist eine der Aufgaben von Britta Pinter. Sie ist die neue Regionalmanagerin des Wirtschaftsforums Passau. − Foto: Kesselgruber

Sie haben zehn Jahre lang in Regen und Landshut gearbeitet. Was meinen Sie mit "die Menschen ticken anders"?

Britta Pinter: Ich komme aus dem Landkreis Regen, da sind die Leute bodenständig. In Landshut ist die Mentalität eine völlig andere, man merkt, dass das schon Münchner Einzugsgebiet ist. Der Zugang zu den Menschen ist anders, man muss sie erst mal überzeugen.

Und wie ist Ihr erster Eindruck von den Passauern? Haben Sie sich schon eingelebt?

Ich bin erst seit zwei Monaten im Dienst, und pendle täglich von Frauenau. Da bin ich informiert über sämtliche Umfahrungen! Hier fühle mich wieder mehr zu Hause. Ich denke, auch in Passau und im Landkreis hier funktionieren die Menschen anders. Die Stadt kenne ich gut und ich habe mich sehr auf den Start gefreut. Manches geht hier leichter, die Wege sind kurz, die Stadt ist ein Unistandort mit vielen Möglichkeiten.

Was macht eigentlich eine Regionalmanagerin?

Im Regionalmanagement mache ich Projektarbeit, um die Region zu optimieren. In Passau ist das unterm Dach des Wirtschaftsforums angesiedelt. Ich unterstütze die regionale Wirtschaft, besonders beim Thema Fachkräftemangel, und kümmere mich um die Vernetzung der Betriebe.

Das klingt ziemlich abstrakt. Haben Sie ein Beispiel dafür?

Im Projekt "Betriebe machen Schule" bringe ich Wirtschaft und Schulen zusammen. Dafür haben wir vor den Herbstferien einen Elternabend an der Mittelschule St. Nikola organisiert. Zwölf Unternehmer nahmen an einer Podiumsdiskussion teil und beantworteten Fragen von Schülern zur Ausbildung in ihrem Betrieb. Was muss ein Azubi mitbringen? Was bieten Sie ihm?

Was hat das mit Regionalmanagement zu tun?

Wir versuchen, zusammen mit den Betrieben bei Schülern und Eltern für die duale Ausbildung vor Ort zu werben. Nicht jeder Weg muss in ein Studium führen. Wir wollen die Möglichkeiten in der Region zeigen, damit die Schüler bei uns bleiben. Viele Betriebe haben Schwierigkeiten, Auszubildende zu finden, vor allem im Handwerk oder im Gesundheitsbereich, sie brauchen Fachkräfte. Dabei wollen wir sie unterstützen. Und wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es auch der Region gut.

Liegt der Schwerpunkt Ihrer Arbeit also an den Schulen?

Nein, es ist eine Zusammenarbeit im Netzwerk aus Unternehmen, Institutionen und Schulen. Ich bin auch die Organisationszentrale im Wirtschaftsforum. Ich verwalte den Verein mit rund 160 Mitgliedern. Das sind große Industrieunternehmen, kleine Handwerksbetriebe, Krankenkassen, Anwaltskanzleien und so weiter. Auch das Lern- und Sprachpatenprojekt "PASSgenAU" wird übers Wirtschaftsforum abgewickelt, da sind jetzt die Anträge fürs neue Schuljahr eingegangen. Ich verteile die Fördergelder je nach Bedarf an die einzelnen Schulen. Und wir versuchen immer neue Sponsoren zu gewinnen.

Sie wollen die Region optimieren. Wie wollen Sie das erreichen?

Ich will präsent sein und offen auf die Betriebe zugehen. Wie die Menschen in meiner Heimatregion schätze ich den direkten Kontakt und das offene Wort. Wir wollen neue Mitglieder fürs Wirtschaftsforum gewinnen, am besten die 200er-Marke knacken. Und wir wollen uns breiter aufstellen, vom kleinen Ein-Mann-Betrieb bis zum großen Industrieunternehmen, in verschiedenen Branchen. Ich will alle besser miteinander vernetzen. Bei der nächsten Regionalkonferenz zum Thema E-Mobilität Ende November starten wir eine Befragung, wie wir unsere Mitglieder besser unterstützen können. Damit dabei ein Mehrwert für die Betriebe und die Region rauskommt.

Nützen Ihre Kontakte aus der Arbeit in Regen und Landshut da was?

Ja, ganz nach dem Motto: Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wer es weiß. Die Regionalmanager in Niederbayern sind extrem gut vernetzt. Durch meine zehn Jahre Erfahrung in dem Bereich bin ich immer top informiert über neue Entwicklungen, zum Beispiel was Fördermöglichkeiten angeht.

In Landshut reichten Ihre Aufgaben von der Bildungsregion bis zum seniorenpolitischen Gesamtkonzept. In Passau sind Sie für die interne Organisation, die Vernetzung der Betriebe und Projekte mit Schulen zuständig. Verlieren Sie da nicht manchmal den Überblick?

Zum Teil habe ich in Landshut mehrere Projekte gleichzeitig betreut. Da muss ich gedanklich schnell umswitchen können. Was ich dabei gelernt habe: Es hängt immer alles zusammen. Man muss generationenübergreifend denken, und es wird immer wichtiger, die Bürger einzubinden, um die Stärken und Schwächen der Region kennenzulernen.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie dabei?

Die Region wird sich verändern. Die Menschen werden älter, es fehlt der Nachwuchs. Oder Stichwort Digitalisierung: Das betrifft vor allem die Wirtschaft. Ein Beispiel: Wenn auf Baustellen etwas abgemessen werden muss, nimmt bald niemand mehr einen Zollstock in die Hand. Dann wird alles mit dem Handy gescannt und ist dann sofort auf dem PC. Oder die Entwicklung hin zum papierlosen Büro. Das kennt man ja selbst, alles geht so rasend schnell, dass man selbst schon Probleme hat mitzukommen. Da wollen wir als Wirtschaftsforum die Unternehmen bei diesem Prozess begleiten.

Das ist aber nicht spezifisch für Passau.

Nein. Die Regionen sind zwar alle völlig anders. Die Herausforderungen sind im Kern aber die gleichen.

Interview: Kerstin Kesselgruber, PNP
Quelle: PNP 11.11.17

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