24.03.2017

Lernen, wenn andere frei haben

Die Wirtschaftsschüler Moaeid (22) und Mojgan (18) verbessern mit „PASSgenAU“ ihr Deutsch

Foto:Jäger/PNP

„Was verbindet ihr mit dem Thema Brief?“, fragt die 23 Jahre alte Lehramtsstudentin Tanja Jetzinger. Moaeid (22) schreibt „Begrüßung“ an die Tafel, Mojgan (18) „Datum“. Beide besuchen die zehnte Klasse an

der staatlichen Wirtschaftsschule Passau. Und beide bleiben einmal pro Woche, wenn die Schulglocke klingelt, freiwillig länger an der Schule, um mit Sprachpatin Jetzinger ihr Deutsch zu verbessern– damit sie sich im Unterricht leichter tun. Seit Februar ist die staatliche Wirtschaftsschule Teil der Förderinitiative für Bildungsgleichheit PASSgenAU“, die vom Wirtschaftsforum, vom Schulamt und von der Universität organisiert wird. In wohliger Kleingruppenatmosphäre– ohne Druck und Noten – hilft Jetzinger insgesamt vier Schülern bei Problemen mit dem Wortschatz, mit der Grammatik oder aber bei der Verwendung von Fachbegriffen, die im Unterricht verwendet werden. Moaeid stammt aus Syrien, lernt seit eineinhalb Jahren Deutsch und will wie Mojgan, die aus Afghanistankommt und seit drei Jahren in Deutschland ist, eines Tages studieren. Jetzinger lobt die Motivation ihrer Schüler. Sie hätten keine Scheu, fragen nach und wollen wissen, ob sie sich richtig ausdrücken. Für Direktorin Anna Maria Siegert ein „Glücksfall. Es ist Luxus, die Schüler in einer solchen Minigruppe fördern zu können. “Die Lehrer Susanne Ponkratz (Fachbetreuerin für Deutsch) und Johann Tillinger (Fachbetreuer im Bereich Wirtschaft) sehen das genauso. Sie versprechen sich von der Sprachpatenschaft Entlastung. Zum ersten Mal sieht sich die Schule in diesem Schuljahr mit Jugendlichen konfrontiert, die sich mit dem Deutschen noch schwertun „und sich daher auch schwertun, dem Unterricht zu folgen“, sagt Tillinger. Der Lehrplan sehe eine Informationsflut vor, die bei fehlendem, vor allem fachspezifischen Vokabular durchaus überfordern könne. Im großen Klassenverband sei es für die beiden Lehrer jedoch schwierig bis unmöglich, auf die Bedürfnisse der vier Schüler einzugehen, ohne den Rest der Klasse zu vernachlässigen. Gezielt fördern – damit kennt sich dafür Sprachpatin Jetzinger besonders gut aus.

 

Seit 2015 ist die Grundschullehramtsstudentin für die„PASSgenAU-Initiative“ als Patin im Einsatz. Rund zehn Stunden pro Woche ist sie regelmäßig an Passauer Schulen und im Kindergarten aktiv. Weil sie so Erfahrungen sammeln kann, die ihr im Studium nicht offen stehen, sondern wenn dann erst im Referendariat möglich sind:„Ich kann Dinge ausprobieren, darf meinen eigenen Unterricht vorbereiten und bekomme Feedback.“ Außerdem lerne sie das Fach„Deutsch als Zweitsprache“(DaZ) in der Praxis – ebenso wie in der Theorie kennen. Drei DaZ-Kurse habe sie im Rahmen ihrer Ausbildung zur PASSgenAU-Sprachpatin zusätzlich zu ihren Studienkursen absolvieren können.
Quelle:PNP/Daniela Pledl

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