22.03.2017

Mit Kunst Schule gestalten

Erster Kunst- und kulturpädagogischer Tag im Landkreis Passau – Ein Projekt des Wirtschaftsforums an der Mittelschule

Trommelworkshop mit Gerald Braumandl

Zum ersten Kunst- und kulturpädagogischen Tag im Landkreis Passau konnte Bürgermeister Florian Gams am Samstag etwa 130 Lehrerinnen und Lehrer sowie Ehrengäste und 26 Künstler aus Stadt und Landkreis in der Mittelschule Vilshofen St. Georg begrüßen. Er dankte der Projektleiterin Elisabeth Ernst vom „Wirtschaftsforum Passau“ für die professionelle Vorbereitung des Tages. Die Veranstaltung solle den Dialog zwischen Künstlern und Pädagogen anstoßen und vertiefen. Denn kulturelle Bildung sei wichtig, habe sie doch den ganzen Menschen im Blick und reduziere ihn nicht nur auf seinen Nutzen. Elke Scherling, Lehrerin am Sonderpädagogischen Förderzentrum in Passau, hatte den „Kultur- und Schulservice“ als Teil eines bayernweiten Netzwerks von Kultur- und Schulservice-Einrichtungen an ihrer vorherigen Schule in Bamberg kennengelernt und bereits 2014 angeregt, ein solches Projekt auch für den Landkreis Passau zu starten. Sie fand engagierte Gleichgesinnte im Staatlichen Schulamt (Schulamtsdirektor Klaus Jeggle), beim ehemaligen Kulturreferenten (Dr. Wilfried Hartleb) bei den Künstlern des Landkreises (Hubert Huber) und beim Landkreis (Klaus Froschhammer). Wirtschaftsforum und Regionalmanagement halfen dann maßgeblich bei der Umsetzung. Finanzielle Förderung gab es u.a. aus Mitteln der Regionalentwicklung und der Sparkassenstiftung. Darüber freute sich Landrat Franz Meyer und dankte für das neue Netzwerk von Künstlern und Schulen. Mit der Projektdatenbank können sich Schulen im „Kulturlandkreis Passau“ jetzt schnell einen Überblick über die kulturpolitischen Angebote der regionalen Künstler, Kulturinstitutionen und Kulturpartner verschaffen. „Mit Kunst Schule gestalten – wozu soll das gut sein?“ war der Titel des Impulsreferates von Prof. Dr. Max Fuchs aus Wuppertal. Er ist seit 20 Jahren Honorarprofessor für Erziehungswissenschaft an der Universität Duisburg-Essen, war von 2001 bis 2013 Präsident des Deutschen Kulturrates, Direktor der Akademie für Kulturelle Bildung in Remscheid und von 1992 bis 2007 Vorsitzender der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder und Jugendbildung. Der Experte erinnerte daran, dass nach der ersten PISA Studie (2001), die die Defizite in Mathematik und Naturwissenschaften aufgedeckt habe, ein Hype auf die MINT-Fächer entstanden sei (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Auch die flächendeckende Einführung der Ganztagsschule habe da ihren Ausgang genommen. Diese Veränderungen in der Bildungslandschaft waren notwendig, aber nicht pädagogisch motiviert, sondern folgten dem Druck. Inzwischen gebe es einen Hype auf Kunst und Kultur. An 138 Schulen in fünf Bundesländern gibt es das Modellprogramm „Kulturagenten für kreative Schulen“, „Kulturschule“ wurde nun zu einem neuen Label. Dabei gehe es um Schulentwicklung, bei der Kunst und Kultur systematisch in den Schulalltag integriert würden. Schule sei ein Haus des Lernens und des Lebens, sie müsse daher schön sein. Nur eine Reaktivierung der sinnlichen Wahrnehmung könne zu ästhetischer Bildung führen.

 Auch in der Expertendiskussion auf dem Podium wurde deutlich, dass Kultur in das System Schule eingreifen müsse. Kunst und Schule brauchen vor allem Zeit, der 45- Minuten-Takt ist häufig ein großes Hindernis. „Kulturelle Produkte“, meinte Gerhard Bruckner (Theaterpädagoge) „brauchen Anstrengung, Konzentration und Ausdauer. Theaterpädagogische Projekte fordern und fördern die Schüler ganzheitlich in all ihren Sinnen. Das Erlernen von sozialen Kompetenzen und die Stärkung des Selbstbewusstseins, der Konzentration und der Körperwahrnehmung geschehen spielerisch fast nebenbei.“ Prof. Dr. Alexander Glas vom Lehrstuhl für Kunstpädagogik an der Universität Passau warnte davor, die künstlerische Bildung gegen die MINT-Fächer auszuspielen, denn die Kunst könne zum positiven Schulklima, zur Identifikation mit der eigenen Schule beitragen. Davon würden alle Fächer profitieren. Charlotte Birchinger von der Musikalischen Grund- undMittelschule Ruhstorf vertrat ein Modell, in dem Musik nicht nur als Fachunterricht eine Rolle spielt, sondern auch als Unterrichtsprinzip, das den ganzen Schulalltag prägt und so zum Kern des Schulprofils geworden ist. „Der bundesweite Trend zu mehr Eigenverantwortung der einzelnen Schule“, so Prof. Dr. Fuchs „gibt den Schulen mehr Gestaltungsspielraum für die Schulentwicklung. Den gilt es aber noch besser auszuschöpfen.“

Workshops und Präsentationen zu den Bereichen Musik, Bildende Kunst, Medien und Sounddesign, Theater, Tanz, Natur und Umwelt sowie Geschichte und Handwerk lieferten schließlich noch viele Anregungen für die praktische Arbeit.
Quelle: PNP/Klaus Engel

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