21.02.2017

PASSgenAU fördern

So sieht das Lernpaten-Projekt des Wirtschaftsforum Passau in der Praxis aus – Teil 1:Die Grundschulen Hacklberg und Haidenhof

Lernpatin Katrin Hellauer hilft Kindern, die sich mit dem Stoff schwer tun, und entlastet so die Lehrkräfte in der Grundschule Hacklberg. (Foto:Teresa Scheurl)

Wie schreibt man das große und wie das kleine „A“? Jillian, Schülerin der Klasse 1a an der Grundschule Hacklberg, greift zu ihrem Wachsmalstift, überlegt und setzt an. Leider an der falschen Stelle. Die 22 Jahre alte Katrin Hellauer gibt ihr Zeit, um die Aufgabe selbst zu lösen, dann greift sie ein. Sie ruft in Erinnerung, was die Lehrerin Claudia Neustifter gerade eben erklärt hat. Gemeinsam schreiben sie die Buchstaben richtig in Jillians Heft. Katrin Hellauer ist Lernpatin. Sie nimmt an dem Projekt PASSgenAU teil, das Schulamtsdirektor Heinz Fuchs in Kooperation mit dem Wirtschaftsforum der Region Passau e.V. und dem Lehrstuhl für Schulpädagogik ins Leben gerufen hat, um Kinder und Jugendliche gezielt zu fördern. 2012, vor rund fünf Jahren, startete die Initiative. Grund genug, um dem Projekt und seiner Umsetzung in der Praxis eine kleine Serie zu widmen – Startschuss ist ein Blick hinter die Kulissen der Grundschulen Hacklberg und Haidenhof.

So ist Katrin Hellauer rund neun Stunden pro Woche an der Grundschule Hacklberg im Einsatz. Sie studiert Grundschullehramt an der Uni Passau und hat dort ein spezielles Seminar zur Lernpatenausbildung besucht. Zehn Euro Aufwandsentschädigung erhält sie pro Stunde – Stadt und Landkreis Passau, Stiftungen, Service Clubs, Unternehmen und private Spender unterstützen das Projekt PASSgenAU finanziell. Die eigentliche Motivation, sich an der Schule zu engagieren, ist für Katrin Hellauer aber eine andere. PASSgenAU sei eine „super Gelegenheit, um einen Einblick in den Schulalltag zu bekommen. In der Uni ist alles sehr theoretisch.“

Weil nicht nur Jillian, sondern auch Timo und Jessica sich beim Schreiben des Buchstabens „A“ schwertun, schickt Lehrerin Neustifter die drei Kinder zusammen mit Katrin Hellauer aus dem Klassenzimmer. Draußen wird die Aufgabe in der Kleingruppe gelöst. „Innerhalb der großen Gruppe verlassen sich die schwächeren Kinder oft zu sehr auf die anderen, kommen selbst nicht zu Wort und gehen unter. Erst im kleinen Verband kann gezielt festgestellt werden, wo die Schwächen der Einzelnen liegen“, sagt Neustifter. Die Unterstützung durch Lernpaten ermöglicht es dem Lehrer außerdem, die ganze Klasse besser im Blick zu halten, ohne diejenigen vernachlässigen zu müssen, die nicht so leistungsstark sind. So mancher an der Grundschule Hacklberg, darunter etwa Lehrerin Sonja Ortmeier, würde sich wünschen, dass Katrin Hellauer noch öfter kommt. Für die Lehrerin ist es eine große Erleichterung, eine zweite Aufsichtsperson in der Klasse zu haben. „Weil man so bei den Kindern viel besser differenzieren kann,“ erklärt sie. „Beispielsweise haben wir beim Lesen einige schwächere Kinder in der Klasse. Katrin übt mit den Kindern gezielt in der Kleingruppe. Das ist viel effektiver, weil die Kinder in ihrem Tempo lernen können, ohne die stärkeren Kinder ausbremsen zu müssen.“

Auch beim Deutschunterricht für Schüler mit Migrationshintergrund ist die Unterstützung durch Projekte wie PASSgenAU sehr wichtig: Anastacia und Nikita sind beispielsweise erst vor etwa einem Jahr aus Russland nach Deutschland gekommen, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Sie besuchen die Klasse 4a in Hacklberg. Sprachpaten haben wesentlich dazu beigetragen, die beiden mithilfe von Bilderbüchern an die deutsche Sprache heranzuführen. Heute melden sich die Schwestern beinahe akzentfrei im Unterricht zu Wort.

Die Vermittlung von Deutschkenntnissen ist auch an der Grundschule Haidenhof ein Anliegen der Initiative PASSgenAU. Wenn die Schüler mittags aus den Klassenzimmern strömen, betreten Erwachsene wie Bahar Zaeem die Klassenzimmer. Jeden Montag und Donnerstagnachmittag können Eltern mit Migrationshintergrund es ihren Kindern gleichtun und kostenlos Deutsch lernen. Bahar Zaeem ist erst vor wenigen Monaten zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter aus dem Iran nach Deutschland gekommen, sie möchte für ihr Kind ein Vorbild sein. Eltern sitzen auf der Schulbank In der Gruppe sitzen Eltern, hauptsächlich aber Mütter, aus Rumänien, Kroatien, Polen, Moldawien oder Syrien. Das Arbeitsbuch und die Lehrerin Erika Focht werden von PASSgenAU finanziert. Focht bestimmt verschiedene Themen wie Schule, Einkaufen oder Familie. Dazu sammeln die Kursteilnehmer Nomen und Verben mit den jeweiligen Artikeln und Vergangenheitsformen, dann wenden sie sie im Dialog an. Raeda Zarifa gibt sich dabei große Mühe. Vor fast zwei Jahren ist die Syrerin mit ihren drei Kindern nach Deutschland gekommen, nachdem ihr Mann bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen ist. Siewünscht sich, bald eine Ausbildung zur Altenpflegerin machenzu können, um pflegebedürftigen Menschen helfen zu können. Hotea Luminata aus Rumänien hat bereits Arbeit in Passau gefunden. Als Zimmermädchen arbeitet sie in einem Hotel. Hotea erzählt, dass ihre Tochter schon viel besser Deutsch spricht, als sie selbst und daher gerne ihre Mutter abfragt. „Es ist schön, zu sehen, wie die Teilnehmer Fortschritte machen“, sagt Focht. „Es motiviert natürlich auch die Kinder, zu sehen, dass ihre Eltern auch lernen müssen, Deutsch zu sprechen. Sie fragen dann oft, ob die Erwachsenen auch fleißig in der Schule waren.“

 Quelle: PNP/16.02.2017

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