26.07.2017

Werkzeug statt Smartphone

Mittelschule Pocking und Wirtschaftsforum Passau rufen Schulwerkstatt ins Leben

Hier können Schüler entwerfen, bauen und reparieren: Die Schulwerkstatt in der Mittelschule Pocking. Lehrer Edi Braumandl (l.), Handwerkspate Arthur Rücker (Mitte), Regionalmanagerin Heidemarie Bartl (2.v.r.) und Schulleiter Christoph Sosnowski (r.) stehen Schülern mit Rat und Tat zur Seite. − Foto: Jörg Schlegel

Die Tendenz am Ausbildungsmarkt ist alarmierend und ein mittlerweile bekanntes Problem: Viele freie Ausbildungsplätze, zu wenig Auszubildende. 1000 Ausbildungsplätze blieben allein 2015 in Niederbayern unbesetzt. Gründe dafür seien der Akademisierungstrend und der demographische Wandel, heißt es aus dem Wirtschaftsforum Passau. Ein leichter Aufwärtstrend ist laut Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz dennoch in den letzten Jahren zu verzeichnen. Seit 2014 entscheiden sich jedes Jahr wieder mehr Schüler für eine Ausbildung. Dennoch muss weiter gegen den Fachkräftemangel angegangen werden. Eine ganz eigene Idee setzte die Mittelschule Pocking um: Eine Schulwerkstatt, um Kinder wieder für das Handwerk zu begeistern – mit Erfolg.

Knapp zwei Jahre dauerte es, bis aus der Idee Realität wurde. "Finanziell und personell sind solche Projekte nicht von heute auf morgen umsetzbar. Das braucht seine Zeit und Unterstützung", sagt Schulleiter Christoph Sosnowski (50). Letzteres fand die Schule im Wirtschaftsforum Passau. Regionalmanagerin Heidemarie Bartl (43) organisierte einen runden Tisch mit interessierten Schulen und Handwerksbetrieben aus der Region. Dort kam Christoph Sosnowski auch mit dem ersten Kooperationspartner in Kontakt. Die Pockinger Firma Huber und Ranner erklärte sich bereit, zwei maßgeschneiderte Werkbänke zu sponsern und den Schülern einmal in der Woche die Möglichkeit zu bieten, sich den Betrieb näher anzusehen. "Eine Win-Win-Situation für Schule und Handwerksbetrieb", findet Heidemarie Bartl. Betriebe können sich so mehr ins Bewusstsein bei Schülern rücken, gleichzeitig kommen Kinder früher in Kontakt mit dem Handwerk und können eigene Talente, Neigungen und Vorlieben für die Berufsfindung in der Praxis entdecken.

In diesem Jahr ging die Schulwerkstatt als "Testphase" an den Start und kam sofort bei den Kindern an: "Die Schüler sind narrisch gerne hier. Und was schon alles gebaut und gemacht wurde – ein Traum", erzählt Betreuer Edi Braumandl. Eine Wirkungsstätte für junge Tüftler, Handwerker und Baumeister sei entstanden. "Das ist weitaus besser als Smartphone-Freizeitkonsum", betont Rektor Sosnowski.

Hier vermischt sich kreatives Arbeiten – die Schüler entwarfen ein eigenes Outdoor-Brettspiel samt Spielregeln – mit werkeln an alltäglichen Dingen, wie dem Reparieren von Fahrrädern. An einer eigene Minigolfanlage samt Ausrüstung wird gerade gebaut. Im kommenden Schuljahr soll die Schulwerkstatt fester Bestandteil des Ganztagesunterrichts sein. "Das Schöne ist, Schüler aus den unterschiedlichsten Klassen- und Altersstufen erschaffen hier etwas gemeinsam", so Braumandl. "Wie eine große Schulfamilie", wirft Sosnowski stolz ein. Man habe jetzt den Grundstein gelegt, aber hoffe auf weitere Unterstützung: "Sei es Werkzeug, Geld oder als Betreuer – wir freuen uns über jede Hilfe", sagt er.

Auch einen technisch fachkundigen "Handwerkspaten" konnte die Mittelschule bereits für sich gewinnen: Arthur Rücker (68) ist selbst ein Beispiel, welche Weiterbildungsmöglichkeiten ein Handwerksberuf bieten kann: Der ehrenamtlich tätige Rentner absolvierte nach der Realschule eine Karrosseriebaulehre, ging auf die Berufsoberschule und studierte anschließend Fahrzeugtechnik. Danach arbeitete Rücker viele Jahre bei VW und Porsche. " Ich will meine Zeit sinnvoll nutzen, Kindern die Freude am Handwerk vermitteln. Sie sollen das Innenleben von Alltagsprodukten unter die Lupe nehmen und fragen: Wie funktioniert das eigentlich?"

Einen eigenen Namen hat die Schulwerkstatt noch nicht. "Den sollen die Schüler selbst finden, es ist ja ihre Werkstatt", sagt Sosnowski mit einem Augenzwinkern.
Quelle:PNP/21.07.2017

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