14.06.2018

Auf jeden Lehrling kommen zwei Azubi-Stellen

Aktuell sind 708 Lehrstellen unbesetzt – IHK veranstaltete gestern einen "Tag der Ausbildungs-Chance"

Florian Demlehner (17, r.) macht bei Auto Leebmann eine Ausbildung zum Mechatroniker, auch unter Anleitung von Serviceleiter Maximilian Maier. − Fotos: Jäger

Die Schere geht immer weiter auf zwischen Angebot an Lehrstellen und Nachfrage danach bei jungen Leuten: Aktuell hat das Verhältnis eine glatte 2,0 erreicht. Das heißt, dass auf jeden gemeldeten Bewerber im Einzugsbereich Passau (Stadt mit Salzweg, Straßkirchen usw.) genau zwei Berufsausbildungsstellen kommen. Vor einem Jahr waren es noch 1,9. Diese Zahlen weist die Passauer Agentur für Arbeit aus.

So war es also kein Wunder, dass der Vortragsraum im 2. Stock der IHK gestern komplett voll war: 108 gestandene Firmeninhaber und Ausbildungsverantwortliche waren erpicht darauf, am "Tag der Ausbildungs-Chance" einen Ausweg aus der Misere zu erfahren, die nach Meinung aller zu den größten Gefahren der Zukunft gehört.

Auch Christine Reitberger von der Arbeitsagentur war mit von der Partie. Ihre Zahlen belegen den Lehrlingsmangel: Die Zahl der unbesetzten Lehrlingsstellen ist in einem Jahr um 15 Prozent gestiegen auf aktuell 708 im Bereich der Geschäftsstelle Passau. Die fehlenden Azubis von heute sind natürlich die fehlenden Fachkräfte von morgen. Und drei Viertel aller Betriebsinhaber sehen darin das größte Wachstums-Hemmnis, machte IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner gestern deutlich.

Was tun? Das Handwerk stärken, im Ansehen und in der Attraktivität – das ist ein Weg von vielen. Der das fordert, ist kein Innungs-Obermeister, sondern ausgerechnet der wohl größte IT-Arbeitgeber der Stadt: Dr. Armin Bender, Chef von msg Passau, brach eine Lanze für das Handwerk: "Nicht jeder, der Abitur hat, muss auch studieren!" Im eigenen Haus und auch bei Partnern gebe es Führungskräfte, "die noch nie eine Uni von innen gesehen haben."

Unabdingbar für beruflichen Erfolg sei aber, mit der Digitalisierung Schritt zu halten. "Denn sie ist in allen Bereichen unseres Lebens angekommen", sagt Bender, selbst gelernter Bauschlosser. Er nennt Fingerscanner an Haustüren als Beispiel aus diesem Bereich. Die msg habe in den vergangenen Jahren selbst 160 Azubis ausgebildet.

37 Lehrlinge hat Auto Leebmann derzeit, 24 gewerbliche (Werkstatt usw.) und 13 kaufmännische, zählt Geschäftsführer Bernd Karoli auf. "Die Situation hat sich dramatisch geändert. Der Kampf um die ganz normalen Mitarbeiter hat begonnen; wir stellen heute Leute ein, die wir noch vor fünf Jahren nicht genommen hätten. Das sind aber nun mal die Auswirkungen des demographischen Wandels."

Auch Karoli betont die Attraktivität des Handwerks: "Die Anforderungen an einen Mechatroniker sind gewaltig. Es ist ein enormes Abstraktionsvermögen nötig." Und das durchlässige Schulsystem mache möglich, dass man mit einer abgeschlossenen Lehre mal studieren könne, wenn man das unbedingt wolle.

Acht Mitarbeiter beschäftigt Andreas Rother "und alle acht haben bei mir gelernt", sagt der Inhaber des gleichnamigen Optiker- und Akustiker-Geschäfts. Gute Lehrlinge zu finden, das sei mittlerweile aber Sisyphusarbeit: "Initiativ-Bewerbungen kann man eigentlich komplett vergessen." Erfolgversprechender sei es, im eigenen Bekanntenkreis die Augen und Ohren offen zu halten nach Nachwuchs.

Seine Auszubildende Johanna Stock wird nach ihrem dritten Lehrjahr bei Rother bleiben. Bei ihr passt alles, "aber ich habe auch Verständnis für Betriebe, die nicht mehr ausbilden, weil sich ein Lehrling nicht rentiert." Die Berufsschulzeiten zum Beispiel seien schon eine Belastung: "Da bin ich oft zwei Wochen am Stück in München."

Quelle:PNP/12.06.18/Franz Danninger

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